Rezensionsexemplar

David Bergen – Gestern und heute und morgen

41teEZVARTL._SX314_BO1,204,203,200_Der wunderschönen Hope Plett, die 1930 in einer beschaulichen Kleinstadt bei Winnipeg in Kanada geboren wird, scheint ein eintöniges, konventionelles Leben bevorzustehen. Kirche, Ehe mit einem zuverlässigen Mann, Kinder. Ihr Schicksal liegt ausgebreitet vor ihr – genau wie die modernen Haushaltsgeräte in ihrem neuen Zuhause. Alles, was von ihr erwartet wird, ist Roy Koop eine gute Ehefrau zu sein. Und Roy liebt Hope sehr. Aber als die Jahrzehnte ins Land gehen, wird Hope von allem überwältigt, was eigentlich als sicher und vorhersehbar galt. Wo in ihrem eigenen Leben – zwischen den Bedürfnissen ihrer vier Kinder, den Erwartungen ihres Mannes und den Ideen ihrer feministischen Freundin Emily – ist Platz für sie selbst? Und wer ist sie überhaupt?divider-grey Seit ich letztes Jahr zum ersten Mal Sylvia Plaths „Die Glasglocke“ gelesen habe, suche ich immer wieder nach vergleichbaren Romanen, in denen das Leben von Frauen beleuchtet wird, die von den Erwartungen ihrer Umwelt erdrückt werden. Als ih beim bloggerportal dann diesen Roman von David Bergen angeboten bekommen habe, habe ich ihn direkt auf meinen ereader geladen und mich ihm bei meinen Fahrten zur Schule gewidmet.


Hopes Leben, das hier von Geburt bis fast bis zum Tod vorgestellt wird, ist dabei von einer fast schon eintönigen Vorbestimmtheit. Es hat dementsprechend auch einige Seiten gedauert, bis ich mich in sie einfühlen konnte, und glaube, geschafft hat sie es erst, als ihr viertes Kind geboren worden war und sich in ihrem Leben tatsächlich Risse gezeigt haben, die dann in einer postnatalen Depression gipfelten. In den darauf folgenden Szenen merkt man das Vorbild der Glasglocke sehr deutlich, allerdings bleibt es im Vergleich dazu immer seltsam flach. Selbst der Aufenthalt in der Klinik lässt bei Hope wenig Änderung erkennen, sie bleibt weiterhin eine extrem passive Person, der ihr Leben irgendwie passiert. Die einzigen zwei Verstöße gegen diese Lebenslinie sind die Fahrt mit ihrer Tochter und deren Freundin zu einer Abtreibung und der gescheiterte Versuch, ihre Cousine aus einer unglücklichen Ehe fliehen zu lassen. An beiden Stellen dachte ich, dass diese Frau jetzt endlich vielleicht auch ihr Leben mehr in die Hand nimmt, aber dann ging es doch wieder zurück in die sehr gemütlich eingerichtete Rolle, die wir schon kannten.

Das Verhältnis zu ihren Kindern, insbesondere zu den Töchtern, war interessant und ein wenig erklärbar aus Hops sonstigem Verhalten. Dass die drei und der Sohn sich so völlig gegensätzlich entwickeln und alle dabie zumindest einen anderen Lebensentwurf verfolgen als ihre Mutter, hat mir ein wenig Hoffnung gegeben, dass doch noch nicht alles vorbei ist.


Insgesamt ist „gestern und heute und morgen“ kein herausragendes Werk über weibliche Emanzipation. Aber es ist eine ruhig erzählte Geschichte über eine unbedeutende Frau und ein unspektakuläres Leben, das seine Tragik genau durch diese Kombination erfährt.


Info-linkbtb Verlag, 320 Seiten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s