Eigenes Buch

Terry Pratchett/Neil Gaiman – Good Omens

Der Weltuntergang wird an einem Samstag stattfi51IYtHj8xgL._SX319_BO1,204,203,200_nden. Um genau zu sein, an diesem Samstag. Für eine anständige Apokalypse benötigt man natürlich die vier apokalyptischen Reiter – von denen „Pest“ leider ersetzt werden muss, denn dank des rasanten medizinischen Fortschritts hat der einfach an Einfluss verloren -, ein kleines Heer an dämonischen Heerscharen und natürlich den Antichrist. Der wurde vor elf Jahren geboren und irgendwas verlief nicht ganz nach Plan. Versehentlich vertauscht eine übereifrige Satanisten-Nonne im Krankenhaus den Antichrist mit dem falschen Kind, der daraufhin in Oxfordshire aufwächst. Aber das wäre vielleicht noch hinzukriegen, wenn nicht ein Engel und ein Dämon beschlössen, dass die Welt doch ein ganz netter Ort ist, eine kleine, aber sehr eifrige Truppe aus Hexenjägern mitmischt und übehaupt die Prophezeihungen von Alice Nutter aus dem 17.Jahrhundert den ganzen Plan schon verraten haben, wenn man sie nur klug zu lesen weiß …divider-greyMan stelle sich das Jahr 1989 vor. Terry Pratchett und Neil Gaiman, die sich einige Jahre vorher bei einem Interview kennengelernt haben, kommen eines Tages auf die Schnapsidee, dass es doch ganz cool wäre, gemeinsam einen Roman zu schreiben. Schnapsidee deshalb, weil die beiden zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal denselben Kontinent teilen und die Kommunikation über Post und Telefon erfolgen muss. Die nutzen sie dafür aber auch reichlich und schreiben munter drauf los. Und raus kommt dabei: einer der komischsten, besten und abgefahrensten Romane über das Ende der Welt.


Ich habe das Buch heute Nachmittag im Zug beendet. Oder um es treffender zu schreiben: ich saß hysterisch kichernd in einem Zug, der grade durch Oxfordshire fuhr, und bei jedem Blick aus dem Fenster dämmerte es mir, dass das alles genau hier sein könnte. Und dadurch wurde alles nur noch witziger und durchgeknallter, denn ehrlich, seit ich hier lebe, verstehe ich einige Seitenhiebe besser. Zum Beispiel die Anmerkung zu Milton Keynes, einem Ort, der konsequent am Reißbrett geplant wurde, wobei Himmel und Hölle beide ihn als Erfolg für sich verbuchen. Überhaupt steckt dieses Buch so voll von kleinen absurden Randbemerkungen, die man von den Scheibenwelt-Romanen gewohnt ist, die sich aber hier noch mehr hochschaukeln. Gaiman und Pratchett übertrumpfen sich gegenseitig mit Ideen und Fußnoten- wer danach noch zweifelt, wie man seine Blumen zum Blühen bringt, hat zuviel Moral – , mit völlig wahnsinnigen Charakteren (alleine der Höllenhund!) und mit einem Weltuntergang, der sich gewaschen hat.

Das Ganze in einem typisch lakonischen Pratchett-Stil präsentiert, gepaart mit Gaimans Detailfreudigkeit für abgedrehte Szenen, die einen gradezu durch die Seiten fliegen lassen. Besonders angetan haben es mir dabie die Dialoge zwischen Crowley, einem Dämon, und Erzirafael, einem Engel. Wie ein altes Ehepaar kabbeln sie sich und wirken ein bisschen wie Stattler und Waldorf mit übersinnlichen Fähigkeiten und in einem Fall etwas cooleren Klamotten. Ein absolutes Highlight beim Lesen, egal, zum wievielten Mal.


Und ja, für alle, die jetzt danach schreien, das zu sehen, statt zu lesen: 2019 wird es so weit sein. Nachdem in Terry Pratchetts Nachlass ein Brief gefunden wurde, in dem er sein einverständnis zu einer Verfilumg gibt, hat sich Gaiman erweichen lassen und das Drehbuch zu einer Serie verfasst, die auf der guten alten BBC zu sehen sein wird. Die Dreharbeiten sind abgeschlossen, die Post Production hat begonnen. Und ähm … muss ich mehr erwähnen, als dass David „10th Doctor“ Tennant Crowley mit rotblondem Haar und engen Lederhosen rockt?


Info-linkVerlag William Morrow; 432 Seiten.

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