Rezensionsexemplar

Ingar Johnsrud – Der Bote

51rmn8aMXBL._SX312_BO1,204,203,200_In einer Villa in einem reichen Vorort Oslos wird die Leiche eines kürzlich verstorbenen Mannes gefunden. Von der Bewohnerin des Hauses, einer alten Witwe, fehlt jede Spur. Der Tote wird als ihr Sohn identifiziert – der vor zwanzig Jahren bei einem Militäreinsatz ums Leben kam. Kurz darauf entdeckt man in einem Abwasserschacht am anderen Ende der Stadt eine zweite Leiche. Der Körper des unbekannten Mannes weist schwere Folterspuren auf. Hauptkommissar Fredrik Beier glaubt an eine Verbindung zwischen den beiden Fällen, doch irgendjemand scheint verhindern zu wollen, dass diese ans Licht kommt – Akten werden gesperrt, Beweismittel verschwinden … divider-grey

Ich hatte letztes Jahr den ersten Band der Reihe um Fredrik Beier gelesen und damals in der Rezension angemerkt, dass ich die Reihe eigentlich vor allem deswegen weiterlesen möchte, weil ich wissen, möchte, wie nun diese ganzen offenen Fäden verbunden werden. Als jetzt als der zweite Band im bloggerportal vor mir auftauchte, habe ich sofort zugeschlagen und angefangen zu lesen. Um es gleich vorweg zu sagen, die offenen Fragen werden nicht beantwortet, das Buch steigt eineinhalb Jahre nach den Ereignissen in „Der Hirte“ ein, und auch wenn gelegentlich Bezug genommen wird auf die Geschehnisse, haben die beiden Fälle nicht wirklich miteinander zu tun.


Nachdem ich diese Information verdaut hatte, konnte ich mich voll auf den aktuellen Fall einlassen.Zuerst einmal sei gesagt, dass ich mich beim Lesen wirklich mitgerissen gefühlt habe, die Seiten sind gradezu selbstständig umgeblättert und ich habe wieder einmal statt 10 Minuten auf dem Fahrrad 20 Minuten Fußweg in Kauf genommen, um weiterlesen zu können. Erzähltechnisch ist Johnsrud eine absolute Empfehlung, diesmal hat er auch die Kapitellängen besser im Griff und sie sind einigermaßen gleich lang geraten. Die Rückblenden in dieNeunziger Jahre sind ebenfallsspannend und machen Lust drauf, die Verstrickungen in die Gegenwart selbst zu etnschlüsseln,wenn auch das Motiv und der Mörder dann schon sehr auf den Schockmoment hin gewählt sind.


Wenn ich bereits im ersten Band den Eindruck hatte, dass Norwegen eine korrupte, zynische und verlorene Gesellschaft ist, dann wird dieser Eindruck im Nachfolger auf die Spitze getrieben und ich frage mich, ob man vor dem Lesen von Band drei nicht vielleicht doch einfach Augen und Ohren zukneift und von Meerschweinchen träumen möchte. So viel geballtes Elend auf einmal, wie hier zusammen kommt, ist schwer vorstellbar. Und um ehrlich zu sein, ging es mir im Laufe der vielen Seiten auch ein wenig auf die Nerven, vor allem, wenn dann am Ende auch noch völlig zusammenhanglos für eine weitere Figur noch ein Unglück aus der Tasche gezaubert werden muss, damit auch ja alle unzufrieden sind. Das Buch beginnt fast unmittelbar mit frederik im Krankenhaus – wieder einmal – wo er nach einem Selbstmorversuch oder ddoch nur einer zufälligen Überdosis im völligen Familiendrama landet. Freundin und Exfrau sind beide angepisst, seine Kollegen wie gewöhnlich nur darauf aus, ihm das Leben schwer zu machen, und der halbwüchsige Sohn steckt zusammen mit seiner Bratsche in der üblichen „Papa, du gehst mir auf den Sack“-Teenagerwelt fest. Der Fall gerät da fast ein bisschen in den Hintergrund. Nur fast, zum Glück, allerdings wird auch hier so ziemlich alles aufgefahren, was die Verschwörungstheorie „Korrpute Politik A-Z“ nur hergibt, und vor allem die auftauchenden Geheimdienstler wirken in ihrer unnachahmlichen Men-in-Black-Nummer ziemlich überzogen.


Die Figuren werden mir im Laufe des Romans immer unsympathischer. Völlig zusammenhangloser Alltagsrassismus – mal ehrlich, der Satz „Frederik hätte dafür gebetet, nie in seinem Leben einen Kurden mit Toupet sehen zu müssen“, was soll mir der jetzt sagen? – und übermenschliche Genesungskräfte, polizeiliche Ermittlungen, in denen man sich anscheinend nur gegenseitig Steine in den Weg legt und nicht zu vergessen eine ziemlich seltsame Auffassung über Selbstjustiz werden hier dermaßen an die Grenze getrieben, dass ich dazu geneigt bin, den dritten Band nicht mehr zu lesen. Oder wenn, dann nur an einem sehr warmen Tag mit sehr viel Alkohol neben mir um das Elend besser zu ertragen.


Info-linkBlanvalet Verlag, 544 Seiten. Das Buch wurde mir kostenlos vom Verlag über das bloggerportal zur Verfügung gestellt.

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