Rezensionsexemplar

Katherine Webb – Die Frauen am Fluss

51HVRcghe5L._SX310_BO1,204,203,200_England, 1922. Zuerst stellt die Ankunft der Londonerin Irene die Ordnung des idyllischen Dorfes Slaughterford auf eine harte Probe. Kurz darauf geschieht ein brutaler Mord. Der Tote ist ein angesehener Gutsherr – und Irenes Mann. Gemeinsam mit dem Stallmädchen Pudding begibt sich Irene auf die Suche nach der Wahrheit. Die Spuren führen das ungleiche Paar tief in die angrenzenden Wälder und zu einer Liebe, die nicht sein durfte und ein ganzes Dorf schuldig werden ließ.

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Ich gestehe, auf dieses Buch habe ich mich gefreut wie schon lange nicht mehr auf irgendein anderes. Das liegt daran, dass ich es Anfang des Jahres schon einmal auf Englisch gelesen habe und jetzt unbedingt auf Deutsch noch einmal lesen wollte. Einmal, um es einfach zu besitzen, und zum anderen, weil ich dieses Buch für das bislang beste Buch von Katherine Webb halte, die bei mir immer ein wenig im Shatten von Kate Morton steht. Mit diesem Buch schafft sie es aber wirklich, aus dem Einheitsbrei des „Familienschickalsromans“-Genres herauszutreten und ich bin froh, sagen zu können, dass die deutsche Übersetzung da sehr gut mithält (von dem kleinen und für mich weiterhin sehr ärgerlichen angedeuteten Spoiler im Klappentext mal abgesehen).


Die Frauen, denen wir hier begegnen, sind interessante Figuren, in denen ganz viele verschiedene Frauenbilder aufeinanderprallen. Da ist zunächst einmal Pudding – ganz ehrlich, beim ersten Lesen des Romans fand ich den Namen total bescheuert und auch jetzt noch bin ich alles andere als begeistert – die aufgerieben wird zwischen dem normalen Teenagerdasein Anfang der Zwanziger Jahre und einer Familie, die durch den Krieg und die schwere Verletzung ihres Bruders komplett aus den Fugen ist. Ich gönne ihr dieses angedeutete kleine Glück, das sich im Lauf der Geschicht entwickelt, und würde sie gerne mal in zwanzig Jahrn wieder treffen. Dann natürlich Irene, diese Großstadtpflanze, die die moderne Frau sein will und gleichzeitig diese Regeln der modernen Welt noch nicht durchschaut hat, wodurch siesich immer tiefer in den Mist reinreitet. Anfangs war ich ehrlich ziemlich genervt von ihr und ihrer leicht überheblichen „pff, die Dorftrottel“-Art, gerade wenn man sich vor Augen hält, dass sie ja wirklich nicht unschuldig daran ist, jetzt auf dem Land rumhocken zu müssen, aber im Laufe der Zeit emtwickelt man erst Mitleid und dann eine gewisse Sympathie für sie, auch wenn man sie sich nie als beste Freundin aussuchen würde. Und dann natürlich Clemmie. Sie ist die traditionellste Frauenfigur in diesem Buch, ein kompletter Gegenentwurf zu Irene, und ich leide mit ihrer Geschichte sehr mit.


Sprachlich ist auh die Übersetzugn angenehm flüssig zu lesen, Tonfall und Sprechweise passen gut zusammen und ins richtige Jahr. Katherine Webb neigt immer ein wenig zu dramatischen Bildern, habe ich das Gefühl, aber das geht in Ordnung. Die Geschichte entfaltet sehr schnell eine Sogwirkung, weil man wissen will, was jetzt passiert und wie das alles aufgelöst wird.


In der Figurenzeichnung und in der Sprache ist das Buch dennoch relativ normale Kost für das Genre und ich hätte mir sehr lange beim Lesen nicht mehr als eine etwas mehr als durchschnittliche Bewertung denken können. Der Mordfall plätschert im Hintergrund mit, das Schicksal der Frauen steht im Vordergrund, man kennt das. Und dann … dann kommt der Knall. Der absolute Knall. Denn Katherine Webb greift zu einem Plottwist, der seinesgleichen sucht. Gerade jetzt beim zweiten Lesen konnte ich auch mit drauf achten, wie geschickt sie das eigentlich mach und mich als Leser in die Irre steuert, ohne dass ich es merke. Sie spielt mit allen Erwartungen, die man an das Genre hat, und mischt fünfzig Seiten vor Ende die Karten komplett neu, wodurch eine völlig logische Handlungskette entsteht, die man als Leser einfach nicht vorhersehen wollte. Ehrlich, auch jetzt, wo ich es bereits kannte, bin ich erneut schwer beeindruckt von ihrer Erzählweise, die sie mir bishr in ihren Büchern noch nicht so gezeigt hat. Dieses Buch ist eine großartige Abwechslung zur normalen Kost des Genres und ich empfehle es immer und immer wieder weiter.


Info-linkDiana Verlag, 486 Seiten. Das Buch habe ich kostenlos vom Verlag über das bloggerportal zur Verfügung gestellt bekommen.

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