Rezensionsexemplar

Genki Kawamura – Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

513Iwc8t4+L._SX309_BO1,204,203,200_Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und macht etwas völlig Überraschendes …


Dieses Buch ist mir vor kurzem im Rahmen des Top Ten Thursday über den Weg gelaufen und ich habe es mir dann ziemlich schnell direkt auch besorgt, weil der Klappentext sehr interessant klang. Gelesen habe ich das Buch dann während einer einzigen Zugfahrt und konnte es fast nicht unterbrechen. Um es kurz zu machen, ich bin schwer begeistert von dieser Novelle.


Kawamura hat einen sehr angenehmen und dennoch auch ein wenig fordernden Schreibstil. Wenn es nicht so seltsam klänge, dann würde ich sagen, dass dieses Buch vielleiht das Japanischste ist, was ich bisher jemals gelesen habe. Japanisch in dem Sinn, dass man ja bestimmte Vorstellungen von der japanischen Lebensweise und Lebensphiloophie hat, und die sehe ich in diesem Buch sehr stark wieder. Eine Rückbesinnung auf die Werte hinter der Technisierung, die man erstmal mit Japan in Verbindung bringt. Nicht wirklich überraschendwert ist es, dass der Teufel als Erstes mit dem Telefon und Filmen so ziemlich die Hauptsymbole der japanischen Popkultur ausradiert. Als dann die Zeiteinteilung verschwindet, beginnt der Postbote, seine Entscheidung mehr und mehr zu hinterfragen, denn jetzt, außerhalb des getakteten Lebens, gibt es neue Zeit, in der manNachdenken kann, in der man sich mit sich selbst auseinandersetzen kann und muss. Das Buch gibt jede Menge Input, um selbst zu philosophieren, welche Dinge man bereit wäre zu opfern, welche Dinge es sind, die im eigenen Leben einen Sinn liefern und die man nicht missen kann, weil sie es wert sind, behalten zu werden.


Mir hat besonders gefallen, mit welch wenigen Strichen der Autor es schafft, Figuren zu erschaffen, zu gestalten und mit Höhen und Tiefen zu versehen. Selbst nur kurz auftretende Nebenfiguren entstehen vor meinem Auge extrem plastisch, sie hinterlassen einen Eindruck, den ich bei anderen viel längeren Romanen manchmal vergeblich suche. Natürlich ist der Teufel in seiner Darstellung erst einmal großartig pointiert, aber allein die Überlegung, dass für den Briefträger niemand anders als eine Art von „entfesseltem Ich“ den Teufel ausmacht, ist schon wieder eine Überlegung wert, in der man sich nach den letzten Seiten verlieren kann. Diese Gedanken habe ich wirklich ein bisschen vermisst in meinen bisherigen Lektüren, und genau das amcht mir das Buch für dieses Jahr auch so wertvoll. Beeindruckend und absolut lesenswert!


Info-linkC.Bertelsmann Verlag, 192 Seiten. Das Buch wurde mir kostenlos vom Verlag über das bloggerportal zur Verfügung gestellt.

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