Rezensionsexemplar

Anna Quindlen – Unsere Jahre in Miller’s Valley

51hViw0OpCL._SX313_BO1,204,203,200_Seit Generationen leben die Millers in Miller’s Valley. Doch jetzt soll der Fluss, an dem das Örtchen liegt, zu einem Wasserreservoir gestaut, das ganze Tal geflutet werden. Während der Tag näher kommt, an dem ihre Heimat für immer verschwinden wird, erinnert Mimi sich an ihre Kindheit und Jugend in Miller’s Valley und wie sie den Mut fand, ihren eigenen Weg zu gehen.


Es gibt Bücher, die liest man, und dann muss man erst einmal einige Zeit darüber nachdenken, was man da jetzt eigentlich gelesen hat. Das für mich Faszinierendste an diesem Buch war für mich die Tatsache, dass es mit 320 Seiten jetzt nicht allzu kurz geraten ist, ich aber geichzeitig gar nicht das Gefühl hatte, eine kurze Novelle zu lesen. Und wärend ich mich direkt am Ende der Lektüre ein wenig darüber geärgert habe, dass so viele Dinge im Buch nur angedeutet werden und viele Handlungen entweder völlig ohne Zwischenschritt einfach ein Ergebnis liefern oder nie erklärt und aufgelöst werden, habe ich in den letzten zwei Wochen immer wieder über das Buch nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass genau diese Leerstellen die Stärke des Romans ausmachen.


Der Text ist von Zeile eins an umweht von diesen typischen Gerüchen nach „zu Hause“. Man spürt die Sommerhitze, hört die Mücken und würde am liebsten selbst die Tür zur Küche öffnen. Miller’s Valley wird aus Mimis Sicht in so lebendigen und liebevollen Bildern geschildert, dass man sofort eintaucht in diese Sechziger Jahre. Die Figuren treten sehr plastisch vor die Augen, und – und das ist es, was mich wirklich von Anna Quindlen überzeugt hat – durch die Leerstellen kann jeder Leser sie für sich selbst ausfüllen. Dadurch werden statt der üblichen Klischeevorstellungen völlig neue Möglichkeiten ausgelotet. Ist LaRhonda, Mimis Jugendfreundin, bei ihrem Aufenthalt im Sommerlager wirklich freiwillig auf den religiösen Trip gekommen oder war genau das das Ziel? Was passiert mit Mimiis älterem Bruder Tommy später? Was hat es mit Tante Ruths Angst auf sich, das Haus zu verlassen? Jeder Leser wird darauf eigene Antworten formulieren und gerade dieses letzte Geheimis ist es, was gradezu danach schreit, das Buch noch einmal und noch einmal zu lesen, um vielleicht aus Andeutungen eine Lösung zu finden. Und genau deshab wird dieses Buch bei mir wirklich dauerhaft einen Platz erhalten, denn ich will es auf jeden Fall noch mindestens einmal wieder lesen. Und dann noch einmal. Weil ich das Gefühl habe, ähnlich wie beim Blättern in einem Fotoalbum werde ich auch hier immer mal wieder auf neue Dinge stoßen, die ich bisher kaum beachtet habe.


Info-linkDeutsche Verlags-Anstalt, 320 Seiten. Das Buch wurde mir über das bloggerportal kostenlos zur Verfügung gestellt.

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