Rezensionsexemplar

Nora Elias – Die Frauen der Familie Marquardt

510IuXvALCL._SX331_BO1,204,203,200_Köln 1908: Caspar Marquardt herrscht in seinem Kaufhaus wie ein König über die Welt des Luxuskonsums. Da er keine Söhne hat, soll ein entfernter Verwandter sein Erbe werden – eine Provokation für seine älteste Tochter Louisa, die das Geschäft gerne selbst führen möchte. Doch nicht nur ihr Schicksal ist mit dem Kaufhaus verbunden. Während sich die kapriziöse Sophie in einen Konkurrenten ihres Vaters verliebt, sucht die unehelich geborene Mathilda ihren Platz in der Gesellschaft. Folgenschwere Konflikte machen die Schwestern gleichermaßen zu Verbündeten und Rivalinnen …


Für dieses Buch hatte ich mich etnschieden, weil ich mich spontan ein wenig an die Serie „Mr Selfridge“ erinnert gefühlt habe, gleichzeitig hatte ich aber auch „Downton Abbey“ vor Augen, denn die Voraussetzung des Romans klingt sehr nach dessen Inhaltsangabe. Da ichbeide Serien eigentlich sehr gerne geschaut habe, dachte ich, ich kann nicht viel mit dieser Lektüre falsch machen. Unglücklicherweise scheine ich mit historischen Romanen im Moment nicht viel Glück zu haben, denn leider habe ich ein ziemlich unbeeindruckendes Buch gelesen.


In erster Linie lag das daran, dass wirklich jede der Frauenfiguren so unglaubwürdig vorkam. Nicht etwa, dass ich ihre Motive nicht verstehe, sondern viele ihrer Handlungen wirkten auf mich einfach nicht im Zeitgeschehen verankert, sondern dienten vor allem dazu, ein modernes emanzipiertes Frauenbild zu vermitteln. Und das finde ich halt einigermaßen doof. Ich sage nicht, dass die Frauen sich hier als Heimchen am Herd darstellen lassen müssen – aber wie realistisch ist es denn tatsächlich, dass 1908 während des Kaiserreichs auf offener Straße solche Szenen stattfinden oder solche Gespräche geführt werden? Vielleicht ist das alles ganz anders, als ich es mir vorstelle, deswegen schätze ich es bei historischen Romanen, wenn der Autor sich Zeit nimmt, in einem Nachwort ein bisschen mehr zu seiner Recherche darzustellen oder allgemein etwas zum historischen Hintergrund zu schreiben. Das fehlt hier völlig und so hatte ich immer mehr das Gefühl, hier keinen historischen Roman zu lesen, sondern eine Liebesschmonzette, bei der halt eine Epoche als netter Dekor übergestülpt wurde. Ja, das mag gemein sein, es so zu sagen, aber ich fand das Buch als historischen Roman unglaublich flach und nichtssagend.


Genauso flach ist in meinen Augen auch die Handlungsebene, bei der ich mich wirklich immer mehr gefragt habe, ob die Autorin es wirklich geschafft hat, einfach eine Checkliste gängiger „muss abei sein, wenn es um den Beginn des 20.Jahrhunderts geht“-Probleme abzuhaken. Quasi von Seite eins an war klar, worauf der Handlungsstrang um Louisa hinauslaufen wird. Auch Mathilda als Vertreterin der modernen Arbeiterin, die natürlich so unglaublich kreativ und so unglaublich talentiert ist, langweilte mich im Laufe der Zeit ein wenig. Einzig Olga war wirklich interessant mit ihrer Hintergrundgeschichte, aber auch da wurde mir dann ein wenig zu viel Frauenschicksal hineingebracht. Die Frauen in dieser Familie wirkten eher wie Schaufensterpuppen, die genau die ihnen zugedachte Rolle in der Romanhandlung spielen und einer vorgefertigten Bahn folgen, die die emanzipatorische Botschaft des Romans per Holzhammer verbreiten soll. Und damit überzeugt mich das Buch einfach nicht. Es mag eine ganz ok anmutende Strandlektüre sein, von einem interessanten historischen Roman ist es aber weit entfernt.


Info-linkGoldmann Verlag, 480 Seiten. Das Buch wurde mir kostenlos über das bloggerportal zur Verfügung gestellt.

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