Rezensionsexemplar

Kate Morton – Die Tochter des Uhrmachers

51ToFG6KTgL._SX311_BO1,204,203,200_Birchwood Manor 1862: Der talentierte Edward Radcliffe lädt Künstlerfreunde in sein Landhaus am Ufer der Themse ein. Doch der verheißungsvolle Sommer endet in einer Tragödie – eine Frau verschwindet, eine andere stirbt …

Über hundertfünfzig Jahre später entdeckt Elodie Winslow, eine junge Archivarin aus London, die Sepiafotografie einer atemberaubend schönen Frau und die Zeichnung eines Hauses an einer Flussbiegung. Warum kommt Elodie das Haus so bekannt vor? Und wird die faszinierende Frau auf dem Foto ihr Geheimnis jemals preisgeben?


Ach, was hab ich mich auf den neuen Kate Morton gefreut. Da mich dieses Jahr ja Katherine Webb mit ihrem neuen Buch so überrascht hat, habe ich mich wirklichgefragt, ob es meiner Lieblingsgenre-Autorin gelingen kann, da noch einen draufzusetzen. Leider muss ich sagen, dass ich von diesem Buch ziemlich enttäsucht wurde und es für das defnitiv schwächste halte, das Kate Morton bisher veröffentlich hat.


Für mich war das großartige an ihren vorherigen Büchern immer, dass sie es geschafft hat, die Vergangenheitsebene und die Gegenwart logisch ineinandergleiten zu lassen. Fließende Übergänge, die es dem Leser ermöglichen, auf dieser Welle mitzusurfen und sich ganz in die Geschichte fallen zu lassen. Gleichzeitig sind die zwei Handlungsstränge so nah an der Realität, dass man glauben kann, dass es genau so ablaufen könnte. Mit „Die Tochter des Uhrmachers“ gibt Kae Morton das aber alles auf und reiht stattdessen immer nur kurze Szenen von viel zu vielen Protagonisten aneinander, die kaum miteinander verbunden werden. Das sind eher Blitzeinschläge, die dann mit sehr groben Knoten „schau, das ist die Mutter von X, die vorhin erwähnt wurde“ zusammengeschustert werden. Die Hauptlinie, die Geschichte von Birdie, wird dann auch noch aus der Perspektive eines Geists geschildert – ehrlich, da bin ich mir dann ein bisschen sehr veralbert vorgekommen, denn genausogut hätte man einfach nur wie üblich Birdies Leben schildern können, ohne dieses Mystery-Element, das eher nach Gruselroman klingt.


Was mich aber wirklich gestört hat, waren die Charaktere. Um Himmels Willen, was waren die alle doof. Keinem wird wirklich Tiefe zugestanden und Elodie als eigentlich Hauptprotagonistin der Gegenwartserzählung ist so blass wie besagtes Gespenst im Nebel. Eigentlich hat mich Elodie nicht einmal wirklich interessiert, nach etwa drei Sätzen, die sie gesagt hat, ich musste sie halt hinnehmen. Ihr Verhältnis zu ihrem Verlobten war einfach nur lachhaft in seiner Darstellung, und die obligatorische neue Liebesgeschichte ist auch so zusammenhanglos. Was wäre es schön gewesen, aus ihrem durchaus spannenden Beruf als Archivarin wirklich etwas zu machen, sie hier auf Anknüpfungspunkte zur Vergangenheit zu stoßen, aber nein, stattdessen läuft sie ein wenig leidend durch die Kulissen.


Ma merkt dem Buch durchaus an, dass gut recherchiert wurde. Fast schon zu gut, denn ganz ehrlich, bei der Szene, als sie – um einen Handyanruf nicht bei der Arbeit annehmen zu müssen – gefühlt durch halb London läuft, bevor sie auf „annehmen“ drückt, habe ich schon ein wenig schmunzeln müssen. Interessanter für mich wäre eine Ausgestaltung des Künstlermilieus der Präraffaeliten gewesen, grade auch die aufkommende Fotografie, diese Personen hätte ich mir sehr gerne ausgebaut gewünscht.


Ja, natürlich, das Buch liest sich wieder sehr flüssig und schön, typisch Morton, aber ich bin von der Umsetzung wirklich enttäuscht worden. Ich hoffe und drücke die Daumen, dass Kate Morton zurückfindet zu ihrer alten Stärke und das hier eher ein Ausrutscher war.


Info-linkDiana, 608 Seiten. Das Buch wurde mir kostenlos vom Verlag über das bloggerportal zur Verfügung gestellt.

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