Eigenes Buch

Jeff Guinn – The Road to Jonestown

51LYp+4ddwL._SX329_BO1,204,203,200_In den 1950ern beginnt in Indianapolis ein junger evangelikaler Priester eine sehr seltsame Mischung aus dem Evangelium und Marxismus zu verkünden. Sein Name ist Jim Jones und seine readikale Befürwortung derBürgerrechtsbewegung rückt ihn sehr schnell in das Interesse der schwarzen Bevölkerung. tatsächlich ist sein gegründeter Peoples Temple die einzige gemischtrassige religiöse Vereinigung in Indianapolis. Schließlich siedelt der Tempel um nach Kalifornien und wird dort zu einem durchaus bedeutenden Teil der Kommunalpolitik. Doch als in den Siebziger Jahren immer mehr Kritik an Jones an die Öffentlichkeit dringt und die Mitglieder schließlich nach Südamerika umsiedeln, nimmt eine Katastrophe ihren Lauf, die in einem der größten religiösen Massen(selbst)morde eskalieren wird …


Vielleicht geht es euch auch so, ihr habt irgendetwas im Hinterkopf über ein bestimmtes Ereignis, aber so richtig genau weiß man nicht, was es damit auf sich hat. So ging es mir mit dem Begriff „Jonestown“. Ich hatte Bilder vor Augen irgendwas mit vielen Leichen und einer Sekte, dieSelbstmord begangen hat, aber was es damit auf sich hat, habe ich auch nie recherchiert, weil ich es immer vergessen habe. Als ich dann gesehen habe, dass Jeff Guinn, den ich seit seiner Biografie über Bonnie und Clyde wirklich als Sachbuchautor schätze, ein Buch darüber geschrieben hat, habe ich es mir spontan bestellt.


Für mich sehr faszinierend war es, erst einmal die Hintergründe des Peoples Temple vor Augen geführt zu bekommen. Gerade dieses sehr starke Engagement in der Bürgerrechtsbewegung ist etwas, was man erst einmal nicht mit dem Bild eines radikalen Sektenführers in Verbindung bringen würde. Der Temple war nicht isoliert, sondern hat sich sehr in die Gemeinde eingebracht, war oftmals für die einzelnen Mitglieder eine Rettung aus ihren üblichen Lebensumständen. Wie konnte das so radikal umschwenken? Jeff Guinn nähert sich der Frage an über die Ursprünge seines Gründers Jim Jones, eines Jungen, der in den Dreißiger Jahren aufwächst in der festen Überzeugun zu höherem berufen zu sein. Der seine Ideen kompromisslos durchzusetzen weiß und dabei über so viel Charisma verfügt, dass er andere Menschen auch spürbar um den Finger wickeln kann. Dabei versucht er nicht, ihn zu einem Dämon zu stilisieren, sondern anhand von Interviews mit den wenigen noch lebenden Zeitzeugen und Auswertungen von Ton- und Filmaufnahmen herauszufinden, wann der umschwung stattfindet. Ist es der immer stärker zunehmende Drogenkonsum der bei Jones irgendwann paranoide Züge auslöst, oder die Spannungen der gesellschaftspolitischen Entwicklungen, in denen sich der Temple positioniert? Was auch immer es ist, fest steht, dass Jones seit den Sechzigern immer mehr abdriftet und einen inneren Temple-Zirkel gründet, in dem er die Mitglieder Schritt für Schritt an den Gedanken gewöhnt, alles für den Temple zu geben, im Notfall auch das Leben.


Das grausame am Buch sind die unumstößtlichen Details, die mit dem Jonestown-Massaker einhergehen. Guinn ist dabei keineswegs daran gelegen, möglichst zu schockieren, aber er stellt sehr genau dar, wie innerhlab weniger Tage die Situation in Jonestown völlig eskaliert. Bei den Kapiteln musste ich dann wirklich schlucken, da er hier wörtlich aus den Tonbändern zitiert, die auf Betreiben Jones in Jonestown angeertigt wurden. Wichtig ist auch, dass Guinn serh genau aufzeigt, dass es sich hier nicht einfach nur um einen rituellen Selbstmord handelt, sondern dass eine Mehrzahl der übr 800 Opfer den Giftcocktail nicht etwa freiwillig eingenommen hat, sondern vor der Wahl stand zu trinken oder erschossen zu werden. Der Rückhalt innerhalb der Sekte war also deutlich weniger spürbar, als es die wirklich grausamen Bilder von der Auffindesituation vermuten lassen. In diesen letzten Seiten ist das Buch wirklich nichts für zarte Gemüter, auch wenn Jeff Guinn sehr objektiv bleibt und nicht unmittelbar ausschmückt. Der Bildteil, der zum Buch gehört, verzichtet auf allzu detaillierte Bilder, aber auch hier ist allein die schiere Masse von Leichen in einer Luftaufnahme kaum zu glauben. Das Buch ist wirklich empfehlenswert, um sich zum einen in das Thema Peoples Temple einzuarbeiten, zum anderen aber auch zu sehen, wie schnell es gehen kann, eine Gruppe so zu isolieren, dass die einzelnen Mitglieder manipulierbar werden.


Info-linkSimon&Schuster, 544 Seiten. Das Buch wurde von mir selbst bezahlt.

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