Eigenes Buch

Gail Honeyman – Eleanor Oliphant is completley fine

51bEeHpyaNL._SX322_BO1,204,203,200_Eleanor Oliphant ist anders als andere Menschen. Auf Äußerlichkeiten legt sie wenig Wert, erledigt seit Jahren klaglos einen einfachen Verwaltungsjob und verbringt ihre Freizeit grundsätzlich allein. Ein Leben ohne soziale Kontakte oder nennenswerte Höhepunkte – Eleanor kennt es nicht anders.
Doch das ändert sich schlagartig, als Eleanor sich verliebt. Veränderungen müssen her! Nur wie? Der neue Kollege Raymond erweist sich als unerwartete Hilfe … und plötzlich findet sich Eleanor mittendrin im Leben.


2019 begann für mich direkt mit einem Knallerbuch, wie ich finde. Ich hatte nach den ersten paar Seiten die düstere Vermutung, dass es sich hier um eine klassische „hässliches Entlein trifft Traumprinz auf den zweiten Blick“-Geschichte handeln würde, habe die Augen verdreht und trotzdem weitergelesen. Zum Glück, muss ich sagen, denn wer dieses Buch nach den ersten paar Seiten bewertet, der landet auf einem komplett falschen Gleis. Und das passiert nicht nur einmal, denn Gail Honeyman wirft hier einfach mal Genres in einen Mixer und heraus kommt eine tragikomische Selbstfindungsgeschichte, bei der man am Ende erst ganz am Anfang steht. Dieser Mix hat mir sehr gut gefallen, weil dadurch viele Überraschungen im Buch bereit gehalten werden und Honeyman plötzlich Dinge einführt, die eine ganz neue Richtugn in die Geschichte bringen und wo man als Leser kurz stoppt und hinterfragt, was man sich bis dahin über die Personen gedacht hat. Man sollte sich allerdings auch drauf einstellen, dass hier zum Teil sehr düstere Dinge angesprochen werden. Alkoholismus, Selbstmord, Kindesmisshandlung, das sind diese Hintergrunddissonanzen, die im Buch immer wieder laut werden und die auch erklären, warum Eleanor Oliphant vielleicht doch nicht so „völlig in Ordnung“ ist, wie der Titel suggeriert. Deshalb finde ich auch den deutschen Titel „Ich, Eleanor Oliphant“ ein bisschen doof, denn es geht hier nicht um eine Lebensbeichte, sondern eher das genaue Gegenteil. Eleanor führt ihr unspektakuläres Leben als Flucht vor ihrer Vergangenheit, die aber immer wieder durchschimmert und im Laufe des Buchs auch Erklärungsansätz bietet, warum Eleanor eben Eleanor ist.


Spannend war für mich, dass die Autorin Eleanor nicht unbedingt sympathisch zeichnet. Ganz am Anfang findet man Eleanor wahrscheinlich echt furchtbar. Überheblich, arrogant, und ein bisschen peinlich in ihrer „ich  gegen die anderen“-Attitüde. Eine Art weiblicher Sheldon Cooper, nur irgendwie ohne das nerdige, dafür mit gewaltigen sozialen Inkompetenzen. Je mehr man über Eleanor erfährt, desto mehr kann man sich natürlich gewisse Wesenszüge von ihr erklären, aber die verschwinden dadurch ja nicht, sondern sind weiterhin da. Aber durch die Erklärung kann man jetzt bei ihr ein Auge zudrücken, kann sie immer noch nervig und gelegentlich peinlich finden, aber zumindest kann man es jetzt einordnen. Auch die anderen Figuren im Buch, die in Eleanors Kosmos gelgentlich auftauchen, erhalten nicht nur eine, sondern verschiedene Facetten und werden damit greifbarer. eleanors Arbeitskollegen waren da ein interessantes Beispiel. Ich fand es wirklich spannend zu sehen, wie sie mit Eleanor interagieren, wie sie sie auch trotz allem annehmen können wie sie ist, während sie sich immer distanziert und deutlich negativere Erwartungen in sie hat als letztlich gerechtfertigt sind.


Alles in allem bin ich gradezu froh, dass mein Lesejahr mit diesem Buch gestartet ist, wenn es so weitergeht, wird 2019 fantastisch.


Info-linkGail Honeyman: „Eleanor Oliphant is completely fine“. Harper Collins Publ.; 2018. 385 Seiten.

1 reply »

  1. Hallo Ponine,
    zunächst mag ich dir ein zauberhaftes Jahr mit vielen solch wundervollen Büchern wünschen. 😉
    Dass man etwas Zeit braucht, um mit Eleanor warm zu werden, habe ich schon desöfteren vernommen.
    Vielleicht hat mich dies ja bisher vom Lesen abgehalten. Deine Gedanken zum Buch haben meine Neugier
    jedoch wieder angefacht und ich mag mich gern daran versuchen.
    Danke für die Vorstellung.
    Liebe Grüße, Hibi
    (Hatte dir der USA-Challenge wegen eine Mail geschickt. Hoffe, sie ist angekommen?!)

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