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Søren Sveistrup – The Chestnut Man

410VIbx4--L._SX323_BO1,204,203,200_In einem verschlafenen Vorort Kopenhagens wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, der eine Hand abgetrennt wurde. Über ihrer Leiche baumelt ein Kastanienmännchen. Die ambitionierte Jungkommissarin Naia Thulin übernimmt die Ermittlungen gemeinsam mit Mark Hess, ihrem neuen Partner. Der altgediente Ermittler wurde gerade eben von Europol zurück nach Dänemark zwangsversetzt und möchte lieber heute als morgen zurück. Sein Spürsinn wird jedoch geweckt, als sich auf dem Kastanienmännchen Beweisspuren finden, die dieses unscheibare Bastelprojekt mit dem Verschwinden eines Mädchen vor einem Jahr in Verbindung bringen. Die Tochter der Politikerin Rosa Hartung wurde damals entführt und, so behauptet jedenfalls der verurteilte Täter, getötet. Aber wie kommt dann ein frischer Fingerabdruck an den Tatort? Als eine zweite Leiche gefunden wird, ist klar, dass hier ein Serientäter am Werk ist, der diese drei Fälle verbinden muss …


Ich habe dieses Buch letzte Woche spontan beim Einkaufen mitgenommen, weil sich der Klappentext sehr spannend angehört hat, der Krimi mal wieder in Dänemark spielte und vor allem das Titelbild wirklich, wirklich cool aussah. Ich bin also völlgi vorurteilsfrei an dieses Buch erangegangen und ich kann direkt sagen: Hey, ich will gerne mehr davon lesen! Das Buch war im Bereich der Skandinavien-Krimis mal erfrischend positiv und die Ermittler leiden nicht alle an der Ungerechtigkeit der Welt. Naia und Mark haben Ecken und Kanten und es wird genug Hintergrund eröffnent, um sie durch die vermutlich geplanten Fortsetzungen zu tragen. Vor allem Naia hat mir als Figur gefallen, weil sie in ihrer Darstellung etwas weniger klischeetypisch ist, wie man es sonst von der typischen Jungkommissarin erkennt. Sie hat mal so gar keinen Bock auf die Mordkommission – die seit Jahren unter Sparmaßnahmen leidet – und wäre viel lieber in der schicken und erfolgreichen Cyberkriminalitätseinheit. Auch Mark möchte lieber heute als morgen alle Zelte in Kopenhagen abbrechen, die beiden sind also echt wie gemacht für diesen Fall.


Dieser ist jetzt nicht unbedingt das Neueste vom Neuen. Brutale Tode, ein Serienmörder mit einer Rachefantasie, man kennt das. Spannend ist jedoch zum einen der Täter, der am Ende aufgedeckt wird und den ich wirklich nicht dort vermutet hätte, und zum anderen lebt der Krimi vor allem von seiner Erzählweise. Mir hat nämlich sehr gut gefallen, dass hier nicht alles innerhalb weniger Tage vonstatten geht, sondern man auch mal ein paar Tage später erste Ergebnisse erfährt. Polizeiarbeit, die mal sehr realistisch wirkt, inklusive der Budgetkürzungen und internen Streitigkeiten, die aber nie dauerhaft in den Vordergrund drängen. Gleichzeitig wird die Handlung stringent nach vorne getrieben, und ich finde, man merkt, dass der Autorzuvor das Drehbuch für eine Serie geschrieben hat. Wie in Serien steuert das Buch immer wieder auf bestimmte kleine Höhepunkte hin, die das Ende einer Folge markieren könnten, und bei denen man beim Lesen sofort den Gedanken hat, dass man jetzt doch noch mal ins nächste Kapitel schauen muss, um rauszufinden, was weiter passieren wird. Wenn es so weitergehen sollte mit der vermutlichen Reihe, dann kommt hier ein echt guter Vertreter der neuen Skandinavier, der diesen altgedienten Thrillerautoren einen mächsten Schuss junges Blut hinzufügt.


Info-linkSøren Sveistrup: „The Chestnut Man“. Michael Joseph, 2019. 512 Seiten.

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