Eigenes Buch

Jussi Adler Olsen – Erwartung (Sonderdezernat Q #5)

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Marco ist fünfzehn und hasst sein Leben in einem Clan,dessen Mitglieder von ihrem gewalttätigen und zynischen Anführer Zola in die Kriminalität gezwungen werden. Als er sein Sklavendasein nicht mehr aushält und flieht, stößt er ganz in der Nähe von Zolas Wohnsitz auf eine Männerleiche …
Die Suche nach dem Mörder führt Carl, Assad, Rose und Gordon, den Neuen im Sonderdezernat Q, tief hinein in das Netzwerk der Kopenhagener Unterwelt, in den Sumpf von Korruption und schweren Verbrechen in Politik und Finanzwelt– und sie zieht Kreise bis in den afrikanischen Dschungel.


Jetzt also Band 5, und wieder einmal beschreitet Adler Olsen ein wenig neue Wege und bietet uns eine Perspektive, die das Augenmerk nicht auf das Sonderdezernat legt.Darin liegt aber, für mich zumindest ein Problem, das mich beim Lesen wirlich enttäuscht hat. Tatsäächlich könnte man das gesamte Buch zuammenfassen, ohne ein einziges Mal die Ermittler rund um Carl erwähnen zu müssen! Ich hege ein wenig den Verdacht, dass Adler Olsen nicht viel eingefallen ist und er deshalb in einen existierenden Romanentwurf zu einem normalen Action-Thriller einfach gelegentlich eine Passage geschrieben hat, in der mal die Namen von Morck, Assad und Rose fallen. Effektiv tun die drei in diesem Fall mal so gar nichts – und das liegt nicht nur daran, dass sie dank eines Personalwechsels in der Chefetage plötzlich mit deutlich mehr Gegenwind zu rechnen haben als bisher. Zentrale Hauptfigur dieses Buchs ist eindeutig Marko, der aber trotz allem irgendwie merkwürdig glatt und bilderbuchmäßig die Rolle des geläuterten Jungen spielt, der ein neues Leben beginnen will. Aber gut, darüber könnte man noch hinwegsehen, wenn es für den Leser ein wenig Rätselmöglichkeiten gäbe und man selbst herausfinden könnte, warum die alle hinter ihm her sind. Doch Adler Olsen hat sich dafür entschieden, den Leser von Anfang an über alles zu informieren. So folgt man denn erst einmal einer Handlung in Afrika und im Ministerium, die einem sehr genau über sämtliche Vergehen informiert. Das würde bei einem normalen Thriller bestimmt gut funktionieren, bei einem Krimi, der eben auch auf der Frage nach dem „Warum?“ fußt, führt es aber dazu, dass das Buch sehr schnell langweilig wird, weil ich als Leser zu viele Informationen habe. Was ich an denen zu viel habe, habe ich dafür an eigentlichen Hauptfiguren rund um das Kommissariat zu wenig. Mit dem „Spion“ gibt es zwar eine nette neue Figur, die insgesamt aber auch blass bleibt, und ein wenig lüftet sich das Geheimnis um Assad (aber ganz ehrlich, das ist dann doch ein wenig sehr unrealistisch geraten!) – aber verdammt, ich will den Adler Olsen der ersten drei Bände zurück, in denen er sich selbst weniger ernst genommen hat und seine Figuren wirklich gezeichnet hat, statt sie einfach nur von Abziehbildern zu kopieren. Das Buch ist gut gewollt und leider weniger gut gekonnt – schade. Lassen Sie sich mehr Zeit, Herr Adler Olsen, Ihre Leser werden gerne warten, wenn sie dafür mit stärkeren Büchern entlohnt werden …


Info-linkJussi Adler Olsen: „Erwartung“. dtv Verlagsgesellschaft, 2016. 576 Seiten.

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