Eigenes Buch

Jussi Adler Olsen – Verachtung (Sonderdezernat Q #4)

51ZMAqpW5mL._SX312_BO1,204,203,200_Eine Reihe vermisster Personen aus dem Jahr 1987, die durch eine Person und deren entsetzliches Schicksal verbunden sind: Nete Hermansen. Eine junge Frau ohne jede Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, von Menschen grausam misshandelt, wird zwangssterilisiert durch einen fanatischen Arzt und verbannt nach Sprogø, der Insel für ausgestoßene Frauen. Sie nimmt grausam Rache ..


Puh, ganz schön starker Tobak, den Jussi Adler Olsen dem Leser diesmal zumutet. Der verschachtelte Fall rund um einige verschwundene Alkoholiker wird immer wieder unterbrochen, von der Lebensschilderung Nete Hermansens. Der Bereich über die Vorgänge in solchen Heimen wie in Sprogø beruht einzig und allein auf Tatsachen. Bis in die Sechziger hinein wurden Mädchen, die uneheliche Kinder bekommen hatten oder die von der Polizei wegen Prostitution oder dergleichen Delikte verhaftet worden waren, als Geisteskranke behandelt (schließlich waren sie promiskuitiv!) und wurden zum Zwecke der Resozialisierung in Heimen behandelt. Die Chance, aus dem Heim wegen guter Führung entlassen zu werden, war gering, bei einer Entlassung wurden die Mädchen sterilisiert. Klingt ein kleines bisschen nach Nazi? Das ist nicht von der Hand zu weisen, und tatsächlich basiert das Konzept auf denselben Theorien zur Eugenik, die zu Beginn des 20.Jahrhunderts in ganz Europa aufkamen. Stärker als in den bisherigen Büchern versucht Jussi Adler Olsen hier (ähnlich wie z.B. Henning Mankell) gesellschaftskritische Themen mit dem Fall zu kombinieren, wodurch dieser gelegentlich ein wenig ins Hintertreffen gerät. Darüber hinaus will er in dem Buch auch noch zusätzlich die Figuren weiterentwickeln und neue Ansätze in deren Privatleben schaffen. Das Ganze führt dazu, dass das Buch für mich zumindest nicht an seine drei Vorgänger in der Spannung heranreichen kann – auf der anderen Seite fand ich die Geschichte von Nete so spannend und interessant, dass ich da gerne noch mehr gelesen hätte.


Was mir sehr gut gefallen hat: Adler Olsen scheint seine Serie inzwischen mit etwas mehr Ironie zu sehen und ihm scheint klar zu sein, dass sie nicht unbedingt die Realität wiedergibt, insofern sind seine Figuren – fernab jeder Überzeichnung und Überspitzung – eher mit einem Augenzwinkern geschrieben und selbst das neue Einsatzfahrzeug passt da wie die Faust aufs Auge. Außerdem gab es am Ende der Geschichte einen kleinen Twist, der mir sehr gut gefallen hat, weil er für mich eher unberechenbar auftauchte und trotzdem sehr logisch mit der Geschichte verschmolz.
Fazit für mich: nicht der beste aller Krimis, aber dennoch ein würdiger Teil der Serie, die sich immer mehr zu einer eher zwinkernden Parallelwelt des typisch skandinavischen Krimis entwickelt.


Info-linkJussi Adler Olsen: „Verachtung“. dtv Verlagsgesellschaft, 2014. 560 Seiten.

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