Eigenes Buch

Jeffery Deaver – Der Insektensammler (Lincoln Rhyme #3)

51lF1vXM80L._SX304_BO1,204,203,200_Im Paquenoke Sumpf ist ein junges Mädchen entführt worden. Der Tat verdächtig ist der 16-jährige Garrett Hanlon, ein abstoßender Einzelgänger, der seit dem Tod der Eltern und der kleinen Schwester bei Pflegeeltern lebt. Er beschäftigt sich fanatisch mit giftigen Insekten, weshalb man ihn im Ort – halb ängstlich, halb abfällig – nur „den Insektensammler“ nennt. Davon ahnen Lincoln Rhyme und Amelia Sachs jedoch noch nichts, als sie in Avery, North Carolina, eintreffen. Rhyme, der seit einem Unfall im Polizeidienst vor vielen Jahren fast vollständig gelähmt ist, hat sich endlich dazu entschlossen, sich in einer Spezialklinik einer riskanten Operation zu unterziehen, die ihm möglicherweise einen Teil seiner Bewegungsfähigkeit zurückgeben kann.  Für Sheriff Jim Bell ist Rhyme ein Geschenk des Himmels: Sein analytischer Verstand, sein scharfes Auge und seine legendären Erfahrungen bei der Lösung von Gewaltverbrechen könnten helfen, das Schlimmste zu verhindern.


Dieses Buchw ar der allererste Lincoln Rhyme, den ich je gelesen habe, und er hat mich wirklich angefüttert. Ich hatte mir schon lange vorgenommen, es noch einmal zu lesen, und jetzt hatte ich endlich mal Zeit dazu (Dauerstillen ist halt schon eine große Hilfe bei solchen Vorsätzen). Um es vorweg zu nehmen, ich finde das Bcu immer noch wirklich gut, aber vielleicht nicht mehr ganz so spannend und überraschend wie beim ersten Lesen.


Der Twist des Buchs ist Deavertypisch unvorhersehbar und gleichzeitig immer wieder angedeutet. Da ich mich zumindest an einen Teil noch erinnert habe, hat es Spaß gemacht, die Andeutungen diesmal mitzubekommen. Trotzdem hat das Buch für mich die Spannung behalten, und das liegt vor allem an der Arbeit Rhymes und den immer wieder auftauchenden Listen mit Hinweisen, bei denen man selbst ein wenig im Dunkeln tappt, worauf sie einen Hinweis geben können. Da Ryhme sich diesmal außerhalb seines üblichen Ne Yorker Lebensraumes ist, kommt es immer wieder zu Verzögerungen und Fehlinterpretationen. Dabei fand ich es allerdings ein bisschen langweilig, dass man die Schlussfolgerungen immer zweimal erzählt bekommt, sodass man auch ja bestätigt bekommt, was für ein genialer Denker Rhyme doch ist. Ich fand eine kleine Wendung nicht so überzeugend, aber insgesamt ist diese Suche nach dem Insektensammler und die damit zusammenhängende Hintergrundgeschichte wirklich spannend und hat einige gute Wendungen.


Spannender für mich beim zweiten Lesen war, wie sich in diesem Buch die Beziehung von Rhyme und Sachs verändert. Rhyme will eine Operation durchsetzen, die ihn nicht heilen kann, sondern maximal seine Beweglichkeit in der Hand so weit steigern kann, dass das Lenken seines Rollstuhls verbessert wird. Vielleicht steckt aber auch der bloß nicht offenbarte Wunsch dahinter, Sachs näherzukommen als es ihm bisher möglich ist. Die wieerrum würde gerne den nächsten Schritt wagen und zumindest Familienplanung theoretisch in Betracht ziehen, weshalb sie in diesem Band deutlich emotionaler reagiert als bisher. Als sie dadurch eine sehr unüberlegte Handlung begeht, ist es der rationale Rhyme, der plötzlich in eine Gefühlsachterbahn geworfen wird. Diese Beziehungsveränderung wird noch dadurch verstärkt, dass in diesem Band, im Gegensatz zu den anderen, wirklich nur Rhyme und Sachs thematisiert werden, die übrigen Teammitglieder tauchen nicht auf. Dadurch kommt es dann aber am Ende zu einem Ereignis, das ziemliche Auswirkungen haben könnte auf die beiden, doch Deaver zieht eine wie ich finde ziemlich doofe Wendung aus der Tasche, die meinen Glauben ins Rechtssystem doch ziemlich auf die Probe stellte. Klar, vom schriftstellerischen Standpunkt aus verstehe ich die Lösung, aber ich weigere mich, diese Begründung als eine reale Lösungsmöglichkeit anzuerkennen. Das ist auch die Wendung, die das Buch von meinem „oh woo, das ist so klasse“-Empfinden von vor fünfzehn Jahren zurücksetzt auf „ja, spannender Krimi, die Wendungen sind gut gemacht, da würd ich noch mehr von lesen“. Aber das ist ja auch nicht so schlecht.


Info-linkJeffery Deaver: „Der Insektensammler“. Blanvalet: 2003. 480 Seiten.

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