Unterwegs

Unterwegs – London mit dem Kinderwagen

Da wir nur eine Zugstunde von London entfernt wohnen, nutze ich meine Ferien oder freien Tage manchmal für einen Ausflug in die Hauptstadt. Mit kleinen Kindern steht man dabei natürlich immer vor einer logistischen Herausforderung, vor allem, wenn sie noch nicht laufen können. Und da ja doch die in oder andere Kleinfamilie unterwegs ist, profitiert sie vielleicht auch mal von meinen sich stetig erweiternden Erfahrungen.

London mit Kinderwagen – geht das überhaupt?

Bei einem oberflächlichen Blick durch die Straßen mag man vielleicht glauben, dass es in der Stadt keine Kinder gibt – außer in sorgfältigen Zweierreihen durchs Museum schreitend – aber dem ist nicht so. Natürlich gibt es Babies und Kleinkinder in London, die auch fortbewegt werden, also kann man die Frage beantworten mit: grundsätzlich ja, aber man muss vielleicht ein wenig flexibler sein als in anderen Städten. Wenn ihr also einen Urlaub plant, ist es nicht unüberlegt, schon im Vorfeld mal auf dem Plan zu suchen, ob man zum Beispiel vom Bahnhof aus mehrmals die Tube wechseln muss oder nicht. So dumm es klingt: versucht auch euer Gepäck klein zu halten und möglichst wenig im Korb von Buggy oder Kinderwagen unterzubringen, damit bei diversen Hebeaktionen nichts rausfallen kann. Auf dem Bild hier seht ihr, was ich bei einem Ausflug nach London dabei habe – zusätzlich noch eine kleine Wasserflasche für mich und, wenn der Große mitkommt, eine Lunchbox und eine Trinkflasche für ihn.

Welche Transportmöglichkeiten gibt es?


Das Fortbewegungsmittel Nummer 1 für London-Touristen und Einheimische ist die U-Bahn und der 1933 von Harry Beck geschaffene Überblick der Tubelinien längst ein Desingklassiker. Wenn ihr auf den Plan hier links schaut, sehr ihr aber einen großen Nachteil: es gibt kaum ebenerdige oder für Rollstuhlfahrer geeignete Haltestellen. Die Mehrheit der Stationen ist nur per Rolltreppe und Treppenstufen zu erreichen. Natürlich findet man Leute, die sich erbarmen und dabei helfen, den Wagen nach unten oder oben zu tragen, aber schon die Rolltreppen sind vor allem bei Fahrten nach oben eine logistische Herausforderung. Baker Street vermittelt mir jedes mal das Gefühl, direkt in die Hölle zu gelangen, so lang und steil sind diese Treppen dort angelegt. Grade zu Stoßzeiten im Berufsverkehr morgens zwischen ca. acht bis halb zehn und am späten Nachmittag zwischen vier und sechs sind die Bahnen auch so dicht, dass man sich mit Mühe als Einzelperson ins Abteil quetschen kann, mit Kinderwagen steht man dann auch mal fünf bis zehn Bahnen lang unter der Erde und wartet auf ein wenig Platz. Nicht zu unterschätzen sind auch die berühmt-berüchtigten Gaps, die Lücken zwischen Bahn und Bahnsteig, die vor allem auf den Linien mit den meisten Sehenswürdigkeiten auftreten und in denen sich vor allem Vorderräder gern verfangen.
Wenn ihr mit Kindern in die U-Bahn wollt, rate ich wirklich dazu, eher mit einem Buggy als einem Kinderwagen unterwegs zu sein und Babys in eine Trage oder ein Tuch zu setzen. Damit kommt man auf jeden Fall schnell vorwärts und im Notfall auch alleine zurecht. Auf den Rolltreppen muss man vor allem beim Runterfahren zum Teil aufpassen, dass der Buggy nicht überkippt, und vielleicht abwarten bis es die besonders eiligen Pendler nach unten gschafft haben, die links auf der Rolltreppe nach unten rennen und dabei gelgentlich wenig Rücksicht nehmen.

Die zweite Möglichkeit ist natürlich der Bus. Die roten Londoner Busse sind inzwischen zwar etwas weicher und runder im Design, aber fahren zuverlässig ihre Strecken ab. Leider gibt es für das Streckennetz keinen so hübschen Plan, aber an den Ubahnstationen könnt ihr die Angestellten nach Verbindungen fragen, und auch der Routenplaner von google spuckt euch die Nummern der Linien aus. Die genaue Übersicht der Linien findet ihr dann jeweils an den Bushaltestellen oder auf der website der Londoner Verkehrsgesellschaft. Auch die Busse sind in der Londoner Travelcard oder der Oystercard mit inbegriffen, und mit Kinderwagen könnt ihr in der mittleren Tür einsteigen. Direkt der gegenüber ist der Rollstuhlsitzplatz, den ihr mit dem Kinderwagen beschlagnahmen dürft, solange niemand mit Rollstuhl an Bord will. Das ist der große Nachteil an den Bussen, es gibt nur diesen einen Stellplatz (und da gilt wirklich das Prinzip „Wer zuerst kommt“), auf den entweder ein ausgebreiterer Kinderwagen oder zwei quergestellte Buggys passen. Die Busse fahren ebenso regelmäßig wie die U-Bahnen, sodass man nie lange warten muss, sollte man doch beim ersten Mal keinen Platz bekommen haben. Allerdings braucht man vor allem im Innenstadtbereich auch Geduld, denn das Verkehrsaufkommen gepaart mit Touristenmassen und ständigen Bauarbeiten führen dazu, dass sich manche Busse gefühlt nur im Schneckentempo vorwärts bewegen. Überhaupt habe ich manchmal das Gefühl, die Zeitangaben auf englischen Busfahrplänen sind nur grobe Richtlinien. Busse fahren Haltestellen übrigens nur dann an, wenn sie müssen – wenn ihr also einsteigen wollt, signalisiert lieber mit einer gehobenen Hand, dass der Bus halten soll, und vergesst vor dem Aussteigen nicht, den Stop-Knopf zu drücken!

taxi1603aDann gibt es natürlich noch die Taxis, und hier sagt das englische Gesetz: grundsätzlich müssen Kinder bis zum Alter von 12 in einem Kindersitz sitzen. Für Taxis und Minicabs gibt es aber eine Ausnahmeregelung: wenn der Betreiber keine Kindersitze zur Verfügung stellen kann, dürfen Kinder ohne Kindersitz auf der Rückbank transportiert werden. Vorausgesetzt, sie sind 3 Jahre alt, müssen sie dann aber den normalen Dreipunktgurt tragen, unter diesem Alter ohne Gurt. Kinder, die noch nicht sitzen können, sollten nicht befördert werden. Das ist vielleicht vor allem wichtig für Leute, die sehr früh oder spät abfliegen und die üblichen Züge zu den Flughäfen noch nicht bzw. nicht mehr benutzen können. Die sind übrigens alle per Kinderwagen schaffbar und bieten tolle Abstellmöglichkeiten, spannend wird es dann erst mit Erreichen der Hauptstadt.

Egal, welches Transportmittel ihr wählt, in London solltet ihr eins immer bedenken: plant genug Zeit für den Transport ein. Habt im Vorfeld mal schon einen Blick, in welche Richtung ihr grob unterwegs sein werdet, um euch auf den Fahrplänen besser orientieren zu können, und lasst euch nicht zu sehr von den Menschenmassen stressen.

Kategorien:Unterwegs

Tagged as: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s