Auf Englisch gelesen

Andrew Taylor – The Ashes of London

61AwJWUmJYL._SX325_BO1,204,203,200_London, 1666. Ein Feuer tobt durch die Stadt und verschlingt alles, was sich ihm in den Weg stellt. Auch die Kathedrale von S. Paul’s wird von den Flammen zerstört und bei den Löscharbeiten findet man einen halb verwesten Leichnam. Hinweise, dass es sich um einen der Königsmörder handelt, die das Todesurteil für Charles I unterzeichneten, rufen Richard Marwood auf den Plan. Der Sohn eines Druckers, der im Bürgerkrieg auf der falschen Seite stand, arbeitet als Handlanger für einen Regierungsinformaten, und in dessen Auftrag soll er die Mörder finden …


Ich habe mir dieses Buch schon vor einiger Zeit auf den kindle geladen, als es in einem Sonderangebot erhältlich war, und dann immer völlig vergessen, dass es existiert. Da es aber so gut zum Februarthema der Mottochallenge gepasst hat, habe ich mich dran gesetzt und war bei diesem Buch sehr lange sehr zwigespalten. Ich hatt mir schlicht und einfach etwas völlig anderes vorgestellt, nämlich einen historischen Krimi – bekommen habe ich eher „CSI: 1666“.


Die hstorische Komponente diese Buchs ist gelinde gesagt zweifelhaft. Nicht etwa wegen des Settings, das Große Feuer und die Zeit der Reinstitutionalisierung nach dem Bürgerkrieg sind schon gut recherchiert und bilden die Hintergrundgeschichte für die Morde. Der Historiker in mir hat sichallerdings anfangs auf den Boden geworfen und mit den Fäusten getrommelt, als im Ernst „Scotland Yard“ auftauchte, natürlich nicht als die Institution, die wir heute kennen, aber zumindest schon als Adresse. Sehr viele Dinge wirkten eher wie bei den Sherlock-Holmes-Filmen mit Robert Downey Jr., als Gag oder Reminiszenz an unsere heutigen Gepflogenheiten, aber nicht als historische Abbildung. So sind auch die Figuren komplett und vollständig modern, das sind keine Kinder ihrer Zeit, sondern Leute, die wir aus dem 21. Jahrhundert reinschreiben in diese Zeit. Kat als starke Frauenfigur, als prä-emanzipierte Architektin und Kämpferin gegen die Unterdrückung war mir da aber wirklich ein bisschen zuviel des Guten. Da finde ich ihre Tante weitaus besser gezeichnet, die im Hintergrund wirkt, die die Gegebenheiten des 17. Jahrhunderts nutzt, um ihre Rolle auszufüllen, irgendwie viel glaubwürdiger gezeichnet.


Sprachlich war das Buch außergewöhnlich. Taylor ist ein Erzähler, der sich Zeit nimmt und zum Teil wirklich ausschweifig in Schilderungen abdriftet, die gelegentlich langweilig zu werden drohen. Dann reißt er aber immer, kurz bevor man die Lust verliert, das Ruder wieder herum und macht mit Action weiter. Auch ist das Buch gewürzt mit einem gewissen Humor, manchmal ein bisschen wenig subtil, der den Leser durch die Sieten trägt. Ich bin der Handlung wirklich gerne gefolgt, es war, als würde man einen guten Krimi im Fernsehen anschauen, der zwar im Hintergrund laufen kann, dich aber immer wieder dazu verleitet, hinzuschauen. Dieses Buch ist Unterhltung im besten Sinne, die historische Ungenauigkeiten nimmt man dabei einfach hin und feut sich, zumindest ein paar Hintergrundinformationen zu Chales I und Oliver Cromwell zu erhalten. Ich kann das Buch wirklich weiterempfehlen, und wenn mir mal die Fortsetzung unterkommt, schaue ich auch da rein.


Info-linkAndrew Taylor: „The Ashes of London“. Harper Collins Publ. UK: 2018. 482 Seiten.

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