Eigenes Buch

Jeffery Deaver – Das Gesicht des Drachen (Lincoln Rhyme #4)

61rtQr632DL._SX314_BO1,204,203,200_Ein skrupelloser chinesischer Menschenschmuggler, der nur unter dem Decknamen der »Geist« bekannt ist, versucht an Bord der Fuzhou Dragon in die USA zu gelangen. Das FBI plant, ihn gleich bei seiner Ankunft im New Yorker Hafen zu verhaften. Doch kurz vor der Küste zündet der Geist einen gewaltigen Sprengsatz und verschwindet, ohne eine Spur zu hinterlassen. Als das Schiff sinkt, reißt es beinahe die gesamte Besatzung mit sich in die Tiefe. Fieberhaft machen sich Lincoln Rhyme und Amelia Sachs daran, den eiskalten Killer aufzuspüren, bevor er auch noch die letzten Zeugen seines grausamen Verbrechens ausschalten kann …


Im Zuge meines Lincoln-Rhyme-rereads habe ich mich diesmal an einem Buch versucht, bei dem ich mir sicher war, mich noch an den Twist zu erinnern, nur um dann festzustellen, dass ich mich an die falsche Fährte erinnert hatte und deshalb Deaver beim Wiederlesen bis zur Auflöung wirklich dauerhaft auf den Leim gegangen bin. Der vierte Rhyme lebt von Überraschungen und falschen Fährten, vor allem aber von einem Überraschungsmoment, in dem der Täter dem Leser offenbart wird, noch bevor rhyme ihn enttarnen kann – wodurch vor allem der Höhepunkt echt zum Nägelkauen verleitet, weil man am liebsten schreien will: „Nein, tu es nicht!“ Das war mal eine Abwechslung zum üblichen Überrascht-Werden ganz am Ende des Buchs, das Deaver sonst so oft bedient, und hat zur Spannung erheblich mit beigetragen.


Was mir an der Reihe wirklich gefällt und vor allem in diesem Band, ist wie Deaver mit seinen Figuren umgeht. Die Beziehung zwischen Rhyme und Sachs, die sich von Anfang an anbahnt, wird nicht, wie bei so vielen Kollegen, in den Mittelpunkt gerückt, sondern ist immer nur im Hintergrund präsent, wird dabei aber dennoch weiterentwickelt. So steht diesmal das Thema im Raum, das bei Rhyme und Sachs für erhebliche Probleme sorgen kann, nämlich der Kinderwunsch, den Sachs allmählich entwickelt und der, wie her langsam aufgedeckt wird, nicht so ohne weiteres erfüllbar sein wird. Es war ganz spannend mitzubekommen, wie sich das auch ein wenig auf die Dynamik der beiden auswirkt und wie vor allem Sachs dadurch bestimmte Handlungen verfolgt, die sie sonst eher nicht beschreiten würde.


Die Figuren der illegalen Einwanderer sind von Deaver gut gezeichnet. Vor allem der innerfamiliäre Konflikt zwischen Vater und Sohn, die zwischen den beiden Kulturen hin und hergerissen sind und sich völlig neu positionieren müssen, hat mich beeindruckt. Im Vergleich zu anderen Thrillern nimmt dies auch relativ viel Raum ein, die Figurn dienen nicht nur dazu, die Handlung voanzutreiben. Deaver nimmt sich zumindest ein wenig Zeit, ihre Motive zu erläutern und zeigt auch, dass es erhebliche Unterschiede innerhalb der Dissidentengruppe gibt, die aus China flieht. Das Buch ist in der Hinsicht immer noch aktuell, auch wenn sich die Herkunftsländer derzeit gerade ändern, sind die Hintergrundgeschichten immer wieder ähnlich, es zeigt auch, dass sich in über zehn Jahren nicht sehr viel getan hat in unserem Umgang mit Flüchtlingen und dreen Situation. Gerade das hat diesen Thriller zu einer durchaus lohnenswerten Lektüre gemacht, ein reread, der mir wirklich gefallen hat.


Info-linkJeffery Deaver: „Das Gesicht des Drachen“. blanvalet, 2004. 480 Seiten.

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