Rezensionsexemplar

Ellen Sandberg – Der Verrat

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Als Nane nach zwanzig Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird, hat sich vieles verändert. Nicht aber die Schuld, die weiter auf ihr lastet. Nicht die Erinnerung an die Nacht, die ihr Leben zerstörte und schon gar nicht das Verhältnis zu ihrer Schwester Pia. Pia hat es gut getroffen. Die erfolgreiche Restaurateurin lebt mit ihrem Mann auf einem idyllischen Weingut an der Saar. Da lässt es sich gut verdrängen, auf welch zerbrechlichem Fundament ihr Glück gebaut ist. Doch dann tritt ihre Schwester Nane wieder in ihr Leben und Pia ahnt: Es ist Zeit für die Wahrheit. Und damit Zeit für Rache – oder Vergebung.


Uff, vor dieser Rezension drücke ich mich ja ehrlich gesagt schon seit einigen Wochen. Ich hatte mir das Buch als Rezensionsexemplar zuschicken lassen, weil ich Ellen Sandbergs Debutroman nicht zu schlecht fand, auch wenn es ein paar kleine Kiritkpunkte gab. Deshalb war ich interessiert daran, den nächsten Roman von ihr zu lesen. Und leider bin ich so dermaßen nicht begeistert von dem Buch, das ich sehr an mich halten muss, diese Rezension nicht einfach nur mit „was für ein totaler Käse“ abzuhandeln.


Womit soll ich beginnen, meine Einschätzung zu erläutern? Bei der sprachlichen Bedeutungslosigkeit dieses Buchs, die einen Schüleraufsatz schon in die Nähe des Literaturnobelpreises rücken lassen könnte? So flache Beschreibungen habe ich wirklich schon lange nicht mehr in einem Buch zu Gesicht bekommen, nicht einmal die Settings wirkten überzeugend, sondern eher wie eine Kulisse, die mit ein paar wenigen Worten gezeichnet wird, dann aber keine relevante Rolle mehr spielt. Dieselbe Tiefe haben die Dialoge, die sich streckenweise so gestelzt lesen, dass eine Derrick-Folge dagegen wie kompletter Straßenslang klingt.

Ich hätte da noch drüber hinweg sehen können, wenn wenigstens die Figuren mitreißen wären. Sind sie aber nicht. Sie sind erschreckend eindimensional und so oberflächlich, dass sich selbst eine Telenovela ihrer schämen würde. Da ganze Setting dieses Buchs ist angesiedelt in der Welt der Schönen und Reichen und versucht, irgendwelchen internationalen Glanzflair zu versprühen. Leute, wir sind hier im Saarland! Das Saarland ist eine hübsche Gegend. Aber sie ist nicht sexy. Und sie wird auch nicht sexy, nur weil durch die Bank weg wundervoll aussehende Frauen durch die Städte laufen, die Winzer vor sich hinwinzen, dass es eine Freude ist, und überhaupt alle mit einem Jahreseinkommen gesegnet sind, das ihnen sämtliche finanziellen Freiheiten ermöglicht. Keine einzige dieser Figuren ist glaubwürdig, keiner einzigen nehme ich auch nur eine Sekunde ab, dass sie im echten Leben vorkommt. Insbesondere die drei Schwestern Pia, Beate und Nane nerven mich mit ihren überzeichneten Charakteren quasi ab Seite 1. Am schlimmsten waren für mich aber diese völlig belanglosen und dennoch mit Rahmenhandlung versehenen Nebenfiguren. Selbst bei denen macht das Schicksal nicht halt, sondern sie müssen natürlich ebenfalls gebeutelt werden – Stichwort Terroranschlag in Bali! – und dennoch löst sich innerhalb der nächsten Sätzlein wieder alles in Wohlgefallen auf.

Die gesamte Handlung, insbesondere aber die Auflösung des Buchs und das Ende mit dem „erstmal auf Pilgerreise gehen“ sind so uninspiriert und unglaubwürdig. Dass Bücher nicht immer eins zu eins Abbildung der Realität sind, ist ja klar, aber hier ist einfach alles so weit entfernt von einem Alltag und nur unnötig auf Dramatik gespitzt. So ähnlich wie bei eienr Daily Soap, wo in einer Großstadt natürlich nur ein einziger Supermarkt existiert, in dem sich alle ständig begegnen, haben wir hier im Roman einen Mikrokosmos, in dem sich hunderte von Dramen abspielen, die mich aber seltsam unberührt lassen. Vielleicht, weil sie gerade durch ihre übersteigerte Dramatik – es ist immer alles und grundsätzlich das Furchtsbarste, das Grauenvollste, das Unverstellbarste für die Person – zu künstlich wirken. Und diese Künstlichkeit zieht sich durch den gesamten Roman, überzieht ihn mit einer grauenvollen Patina, die weder Emotionen aufkommen noch durchdringen lässt.


Ich fühle mich furchtbar, dieses Buch sozu verreißen. Nicht nur, weil ich es ja gratis erhlatne habe, sondern weil ich bei Ellen Sandberg ja durchaus der Meinung war, dass sie was draufhat. Aber hätte ich dieses Buch als allererstes gelesen, würde ich nie wieder etwas von ihr in die Hand nehmen. Was ist da schiefgelaufen beim Verlag, beim Lektorat, aber auhc bei der Autorin? Ich hoffe, dass sich das nicht wiederholt, sondern „Der Verrat“ ein sehr unglücklicher Ausrutscher war.


Info-linkEllen Sandberg: „Der Verrat“. Penguin Verlag; 2018. 480 Seiten. Das Buch wurde mir vom Verlag über das bloggerportal kostenlos zur Verfügung gestellt.

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